Ballspiele
In meiner Kindheit gab es einen fiesen Nachbarn, einer von der Sorte, der seine Frau in den Garten schickte und Handzeichen gab, wo sie denn jetzt das Unkraut zupfen sollte. Diese Frau hatte es wohl nicht leicht.
Besagter Nachbar, der sicherlich schon das Zeitliche gesegnet hat, dessen bin ich mir sicher, lauerte im Sommer immer auf unsere Fußbälle, die in seinem Garten landeten. Wir waren ja Straßenkinder.
Flog ein Ball von uns in den Garten, gab es ein Ruckeln an den Fenstervorhängen, 25 Nanosekunden später ging die Tür auf und seine Leibeigene kam wie der Blitz aus dem Haus geschossen und weg war der Fußball, so schnell, wir konnten uns noch nicht mal Schimpfwörter einfallen lassen und krakelen. Die Prozedere war erst dann abgeschlossen, wenn "er" noch mal rauskam und uns eine erhobene Faust durch die Luft zuschüttelte.
Das wurmte mich und meinen damaligen besten Jugendfreund natürlich sehr.
In einem starken Winter, muß so 79/80 gewesen sein, waren die Ballfänger im Urlaub, alle Rollladen unten etc. Aus einer Laune heraus haben wir dann im winterlichen Zwielicht eimerweise Wasser auf die Terasse gekippt, die Einfahrt zur Garage mit Eisblöcken (so eine Mischung aus Schnee, der am Straßenrand zu Bergen lag), übergossen mit Wasser, also richtig "gemauert", verbarrikadiert.
Außerdem haben wir Wunderkerzen (wir waren noch so jung) in die Rollladen gesteckt. Diese kokelten so schwarze Löcher in den Kunststoff. Zum Abschluß haben wir dann den Familiennamen des Miesepeters in den Schnee gepinkelt. Zu zweit ging das ganz gut.
Irgendwie ist man dann aber doch auf uns gekommen. Ein par Tage später stand die Polizei vor der Tür, ich weiß noch, dass einer von den Beamten komisch grinste. wir mußten uns nur entschuldigen, durften aber bei den "Aufräumarbeiten" zusehen. Aus dem Fenster. So richtig böse waren meine Eltern nie auf mich wegen dem Streit. Prinzipiell war es sowieso "der C.", der mich dazu angestiftet hat.
Umgekehrt dachten seine Eltern genauso.
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Mit 13
Ich komme grade von einer Klassenfahrt wieder, wir waren auf Sylt, es war ziemlich nass und langweilig dort. Anja, in die ich schon seit über einem Jahr verknallt bin, ist jetzt mit diesem Spinner Jens zusammen, er ist kleiner als ich, total doof und steht in der Pause mit den anderen Spinnern immer in der Raucherecke. Anjas Freundin Alexandra fragte mich im Bus auf der Rückfahrt, ob ich immer noch in sie verknallt wäre, was für ein Blödsinn, natürlich habe ich ja gesagt, dafür hasse ich mich jetzt.
Ich gehe in mein Zimmer, lege mich vor meine Stereo-Anlage und höre mir mein momentanes Lieblingsalbum von 'The Police' - "Outlandos D'Amour" - an. Ich stelle mir vor, wie Anja sich von Jens trennt und sich in mich verliebt, ich lasse sie ablitzen und sie ist am Boden zerstört und total fertig.
Das Garagentor klappert, mein Vater kommt von der Arbeit nach Hause, ich stöpsele den Kopfhörer ein "I can't stand it for another day, when you live so many miles away ... "
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Immer noch 13
Die wilde 13, bei mir ist es immer die 13. So wurde ich an einem Freitag dem 13. 13 Jahre alt.
Ich wohnte auch schon einmal im 13. Stock, da war ich aber schon 18 Jahre alt. Jahre vorher war es die Hausnummer 31, lesen sie das mal rückwärts ...
Das amtliche Kennzeichen meines ersten Autos war mit "K- vergessen 13" verziert, ohne daß ich das extra so beantragt hatte. Es handelte sich bei diesem Gefährt um einen 13 jahre alten VW-Käfer. Er war beige und billig.
Ich wohnte natürlich auch schon in einem Haus mit der Hausnummer, na? Richtig, 13.
Ich finde das okkultesk, ich weiß zwar nicht, was das alles zu bedeuten hat, aber mir scheint, irgend etwas will mich auf irgend etwas aufmerksam machen. Das hat mit Zufällen überhaupt nichts mehr zu tun.
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Backstein-City
Wilhelmshaven
Muß ich als Geburtsort immer angeben, erfordert jedes mal ein Nachfragen der jeweiligen Amtsmenschen, oder wem man auch sonst seinen Geburtsort bekannt geben muß. Wobei man immer auf das 'v' "haven" hinweisen muß. Ich lasse das einfach korrekt falsch aufschreiben und weise hinterher auf den Fehler hin.
Ein Bekannter von mir, den ich allerdings nur aus dem Internet kenne, schreibt über Wilhelmshaven:
"diese stadt am jadebusen hat nichts zu lachen.
und so sieht sie auch aus. grau bzw. backsteinig, jede menge schlaglöcher in den kerzegraden straßen, und an jeder 5. ecke ein kiosk bzw. trinkhalle, an der ich auch bei größter durstespein nicht halt machen würde, um vor dieser halle zu trinken.
die erwähnung des jadebusens erfolgte übrigens absichtlich, denn das ist auch schon das erotischste, was man über sie sagen kann.
ansonsten gibt es in wilhelmshaven rund 5,8 stadtviertel, die ziemlich identisch ausschauen. nur während der adventszeit kann man erkennen, wo die wohlhabenderen wohnen: da blinken dann in jedem fenster die weihnachtsbeleuchtungsschwurbel, statt nur in einem fenster pro wohnung.
es gibt zudem noch eine fußgängerzone, durch die der meist recht kalte nordseewind pustet. ganz getreu der dort ansässigen mentalität kann man in wilhelmshaven in der vorweihnachtszeit mit glühwein ein vermögen machen. dieser glühwein hilft einem dort auch über den anblick des hässlichen bahnhofs hinweg, der - das muss ich zugeben -
gut zum rest der stadt passt in seiner tristesse. noch nicht einmal postkarten von bergen und grünen auen sind hier käuflich, denn berge gibt es nicht, und die auen, die sind so spannend dort nicht.
alles in allem sollte man nur dann nach wilhelmshaven reisen, wenn man dort jemanden kennt, der einem leid tut und man sie/ihn deshalb auch mal besuchen möchte. und wenn man hobby-alkoholiker ist. das ist allerdings keine bedingung, denn angesichts der friesischen mentalität hat man nur zwei möglichkeiten:
mitsaufen und fahruntüchtig werden oder nüchtern bleiben und schnell wieder abreisen."
Die Fußgängerzone hat er relativ knapp, gut und genau beschrieben, wie alles andere auch.
Diese Stadt ist schlimmer dran als manch andere Stadt im Norden Deutschlands. Man verspricht sich auf der Anreise einiges; die Autobahn so frei und grade, so fast ohne Verkehr, frei für schnelle und teure Autos. Eine Autobahn, die irgendwann am Ölhafendamm endet, aber: da kommt einfach nichts mehr.
Jegliche Investitionen der Industrie werden von den letzten Nicht-Ostfriesen und Naturschützern gnadenlos unter dem Roland-Banner vor die Tore gejagt. Die Arbeitslosenquote liegt bei, glaube ich, momentan 14%, da lag sie jedenfalls vor 10 Jahren, so genau will ich das nicht mehr wissen. Die Bäume an der Küste sind landeinwärts geneigt, vom Wind. Ein bisschen so sind auch die Menschen dort. Sie neigen sich etwas zurück, aber sie weichen selten.
Was soll man dazu schon großartig sagen? Wilhelmshaven ist so ein bisschen Ostdeutschland an der Nordsee, ich glaube, ich habe da noch Familie wohnen, bin mir aber nicht ganz sicher.
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Bad Reichenhall
Als ich noch etwas kleiner war und der Jahresbesuch bei der Oma väterlicherseits anstand, die sehr weit weg wohnte (sehr lange schon nicht mehr, da sie das Zeitliche segnete) hatte ich auf einer dieser Autofahrten zur Omi mit meinen Eltern einen scheinbar unstillbaren Wissensdurst. Den hatte ich eigentlich immer.
Nachdem ich meinen Vater so ziemlich alles gefragt hatte, was mir so auf- und einfiel und ich dann wissen wollte, was das den für ein Stab sei, den er da immer hin und her bewegt, sagte err in vollem Ernst zu mir "Damit rühre ich das Benzin um"
Gemeint war die Gangschaltung. Ich war irgendwie beeindruckt, lümmelte mich auf die Rücksitzbank und steckte mir einen Finger in die Nase. Vater. "Hör auf zu Popeln, oder willst Du das Deine Nasenlöcher so groß werden wie Pferdenasenlöcher?"
Den Zeigefinger oder andere Finger habe ich mir nie wieder in die Nase gesteckt. Und die Sache mit der Gangschaltung habe ich sehr, sehr lange geglaubt.
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Old School
Von meiner Einschulung gibt es Fotos, auf keinem einzigen Bild lächele ich, oder zeige sonst irgendwie eine Form von Begeisterung. Auch der obligatorische Film auf Super 8 gibt da nicht viel her. Einschulungen in Friesland sind halt etwas eigen, von der Stimmung her, und von den Farben.
Meine Schultüte war grün, mein Ranzen ebenfalls, ich trug ein rot-weiß kariertes, kurzärmeliges Hemd und kurze Hosen. Keine Ahnung, warum ich mich daran noch erinnern kann, muß wohl an den Fotos liegen. Ich wurde in der ersten Klasse nach 4 Wochen direkt in eine Parallelklasse versetzt, da ich mit meinem besten Freund aus der Nachbarschaft ständig nur unter den Tischen hing, um mit Autos zu spielen. Diese Autos haben wir uns u.a. in der Schulpause von Mitschülern erpresst. War eine harte Zeit und Siku-Autos damals eine harte Währung. Ich habe ab der zweiten Klasse aber nie wieder in der Schule gedealt.
Die Versetzung erfolgte dann in die Rektor-Klasse; der Rektor hatte meine Mutter schon in ihrer Grundschulzeit als Lehrer unterrichtet. Ich fragte ihn einmal, ob er sich an Frau M. erinnern könne, konnte er nie; ich hatte vergessen, den Mädchennamen meiner Mutter zu nennen. Herr Fritze ist mittlerweile bestimmt schon seit 20 Jahren unter der Erde. Aber ich genoss bei ihm das Privileg, ein Rektorschüler zu sein: wir waren, obwohl der letzte Raum ganz hinten im Gebäude, die erste Klasse, die pünktlich ihren Kakao und ihre Milch um 10 Uhr gebracht bekamen, persönlich vom brummeligen Hausmeister mit der schwarzen Schiffermütze. Bei uns ging auch nie die Kreide aus.
Außerdem mußten wir jeden Morgen beim Erscheinen unseres lieben Rektors aufstehen und ihm ein lautes "Guten Morgen, Herr Rektor!" entgegenschmettern. Anschließend wurde gesungen, Meister Jakob, im Kanon natürlich.
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Viel Schaum um die Burg
Was soll man über eine Stadt wie Obernkirchen,
dem "Death-Valley" wie es ein Jugendfreund aus eben dieser Stadt über diese Stadt sagt, schreiben?
Mir fällt echt nichts ein. Vielleicht einfach mal auf dem Sofa nachschauen.
Falls jemand etwas Hilfreiches und/oder Sinnvolles über Obernkirchen zu berichten weisz:
Mail an mich, ich veröffentliche umgehend. Sei es auch nur zur Beruhigung meines schlechten Gewissens nach 14 Jahren gelebter Vita in dieser Weltmetropole nichts berichten zu können. Was soll man machen.
Was hilft da schon eine Geschichte?,
auf Mißstände hinzuweisen - wenn selbst das unmöglich scheint - Mängel impossible.
Momentan läuft ein kleiner Wettbewerb, ich erwarte eigentlich täglich von einem Eingeborenen Obernkirchener Bilder, Bilder, die auf
gefällige Art einzigartig sein sollen. Ich hoffe mal, es sind keine Wurstthekenbilder dabei.
Hier habe ich meine Schauspielkarriere begraben. Diese Geschichte ist aber noch in Arbeit und wird irgendwann in der Zukunft hier veröffentlicht werden. Nur soviel: Sie handelt von einer wahren Begebenheit zu den Dreharbeiten dieser Verfilmung nach einem Buch von Erich Kästeners 'Fabian'. Wer weiß, was aus mir noch alles hätte werden können ... aber: Es lebe eben der kleine Unterschied ...
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